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„Eine Brandbombe durchschlug das Dach und
blieb im Schlafzimmer genau neben dem Bett liegen...“
 

„Die Video-DVD „Unser JAHRGANG 1936 vom Baby bis zum Twen“ weckt bei mir viele Erinnerungen, unter anderem diese:  1939 war ich mit meiner Mutter einkaufen in Hagen. In einem Lebensmittelgeschäft, da hörte ich die Erwachsenen sagen:

„Wir haben ja jetzt Krieg...!“

Die Frauen sprachen dann ganz besorgt darüber. Manche konnten sich noch an den ersten Weltkrieg erinnern. Da war meine Mutter – Jahrgang 1899 – ja schon Teenager oder wie man damals sagte, Backfisch, gewesen.  

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In meinem Kindergarten gab es damals ein Himmelbett, in dem schlief eine Puppe drin. Die war aus Porzellan, wenn ich mich recht erinnere. Die durfte man nur ab und zu mal in den Arm nehmen. Um die zu bekommen, gab es schon kleine Kämpfchen damals. 

Als ich dann ein paar Jahre später eingeschult worden bin, gab es schon die Deutsche Normalschrift. Sütterlin mußte ich nur noch als Ergänzung für die alten Lehrbücher lernen. In meinem ersten Zeugnis stand:

„Die Schülerin hat einen befriedigenden Anfang gemacht“.

Für mich klang das gut. Meinen Eltern waren damit aber nicht so zufrieden. Ich lernte also früh, daß befriedigend nicht mit zufrieden oder gar gut gleichzusetzen ist. 

1942 war unsere Klasse Brombeerblatt-Sammeln gewesen. Oben am Goldberg, am Waldrand. Aus diesen Blättern sollte Tee für die Soldaten gemacht werden.

Damals gab es schon erste feindliche Flieger, vor denen man sich in Acht nehmen mußte.

Von Hitler kam dann eine Verordnung heraus, daß die Kinder aus den Städten verschickt werden sollten. Richtung Osten, meist gen Ostpreußen. Meine Mutter hat daraufhin an Bekannte geschrieben, bei denen wir zuvor im Hotel zur Sommerfrische gewesen waren. 

Das waren im Haupterwerb Landwirte, die in einem Dorf bei Korbach ganz in der Nähe der Eder-Talsperre lebten. Wir bekamen die Zusage, dort unterzukommen. Und so siedelten meine Mutter und ich auf unbestimmte Zeit dahin über.  

Unser Jahrgang 1936 Geschenk-DVD

Dort war nur eine Zwergschule. Wir waren als Kinderlandverschickte im Grunde Flüchtlinge: Wir merkten, daß wir Fremde waren. Im Volksempfänger wurde immer häufiger durchgegeben:

„Gleich kommt der Angriff!“

Wenn dann Kassel oder das Ruhrgebiet bombardiert wurde, dann war der Himmel rot. Und wir waren nur Zuschauer aus der Ferne. In Hagen hatte ich ja auch noch selbst Bombenangriffe erlebt: Es ging dann nachts die Alarm-Sirene. Alle rannten in den Keller runter, wenn der nächste Luftschutzbunker am unteren Ende der Bachstrasse zu weit entfernt war. Die Keller waren schon für den Bevölkerungsschutz mit einem separaten Ausgang eingerichtet worden.  

Jedes Mal, wenn die Sirene ertönte, da schrie unter uns im Haus immer ein kleines Mädchen.

Das war für die Kleine schrecklich! Dann wurden auch schon die sogenannten Christbäume der Zielflugzeuge abgeworfen. Es war dann taghell draußen wie beim Vollmond. Oder noch besser wie bei einem Gewitter. Die Flugzeuge kreisten darüber.

Das Gebrumm der Bomber hat man heute noch in den Ohren.

Man hatte als Kind zwar Angst. Die kriegte man auch durch die Eltern mit. Denn es wackelte das Haus, wenn ein gutes Stück weiter eine Bombe fiel. Dazwischen dann die donnernden Abschüsse der FLAK-Geschütze in der weiteren Umgebung. Doch für uns Kinder war das wie ein Spiel. Solange nichts passierte! Sobald Entwarnung gegeben wurde, und wir wieder hochgingen, da lagen rings ums Haus herum die Phosphor-Bomben. 

Als mein Vater ab Ende 1942 allein daheim zurückblieb, weil er in der Versorgungswirtschaft beschäftigt war, hatte er irgendwann keine Lust mehr gehabt, bei jedem Alarm in den Keller oder gar den Kilometer bis zum Luftschutzbunker zu gehen. Auch der Blockwart konnte ihn dann nachts nicht immer bewegen, sich in Schutz zu bringen. Er blieb häufig einfach im Bett.

Einmal durchschlug eine Brandbombe das Dach und
lag direkt neben seinem Bett.

Die konnte er nur mit Ach und Krach und viel Sand ersticken. Denn das war ja Phosphor. Deshalb mußten in der 2. Kriegshälfte in Wohnungen auch Eimer mit Löschsand und einer Löschpatsche stehen. Mit Wasser allein hat man gegen Phosphorbrand nichts ausrichten können. 

Doch mein Vater war schon im ersten Weltkrieg Soldat gewesen.

In Ypern und hatte dort Gas-Angriffe und später die Gefangenschaft in Serbien mitgemacht. Er konnte deshalb mit solchen Luftangriffen umgehen. Die bereiteten ihm weniger Angst als meiner Mutter. Bis zu seinem Tod im Dezember 1973 schwärmte er von einem Generalfeldmarschall Mackensen, der ihn im ersten Weltkrieg sehr beeindruckt hatte. Ich sah meinen Vater erst zum Kriegsende wieder. Als ihn die Front in Hagen überrollt hatte, da brach er zu Fuß zu uns Richtung Korbach auf.  

Dort wurden, als sich die Front näherte, die guten Sachen im Garten vergraben: Geschirr und Silber, wenn man es hatte. Karl hieß der Junge der Bauernfamilie, bei der wir untergekommen waren. Karl war fünf Jahre älter als ich. Der interessierte sich für Krieg und Abwehr:

„Unser Dorf muß verteidigt werden!“

hieß es erst noch. Meine Mutter sagte immer: „Da bringe ich mich um, wenn die Russen kommen!“

Ostern 1945 saßen wir in der Küche. Zusammen mit meinem Vater. Dann kam so ein amerikanischer Soldat mit seinem Schnellfeuergewehr in die Küche herein, um das Haus zu durchsuchen. Mein Vater grüßte zwei Mal aus Gewohnheit mit „Heil Hitler!“ Da war der Krieg für uns zu Ende."
Ingrid Renfordt, Hagen

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