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"Weißt Du noch...?"

beginnt so manche Erzählung, so manche Anekdote. Was ist damit gemeint? Die Erinnerung an die gemeinsam erlebte Vergangenheit, an den Zeitgeist von einst.

Der Zeitgeist, er besteht aus Zweierlei: Zum einen aus den Gegenständen von einst. Zum anderen aus dem Lebensgefühl von einst. Die Gegenstände von einst und das Lebensgefühl von einst gingen Hand in Hand. Sind miteinander verbunden. Und die Gegenstände von einst und das Lebensgefühl von einst haben sich einander bedingt.

Wenn Sie einen Heinz Erhardt-Film im Fernsehen oder auf DVD sehen, dann ist es doch genau

 

und der fröhlichen Aufbruch-Stimmung in den 50er Jahren diese Mischung aus Kleidermode, Autos, Gemütlichkeit

die Sie in den Bann zieht. Der Zeitgeist der Fünfziger Jahre, der Ihnen sagt: So waren die 50er Jahre in Westdeutschland. Nicht für Jedermann zu jedem Zeitpunkt. Aber so ziemlich ähnlich war es doch.

 

Eine kurze Reise durch den deutschen Zeitgeist von 1900 bis 2000:

 

Die Kaiserzeit in Deutschland von 1900 bis 1918: Was sind die prägenden Bilder daran: Uniformierte Soldaten, die mit ihren Pickelhauben wie mechanische Blechfiguren marschieren. Viele Männer tragen Zwirbelbärte bzw. Es-ist-erreicht-Schnurrbärte und sogar Monokel. Die Frauen weite Kleider, kleine Jungens Matrosenanzüge. Pferdedroschken all überall. Am Himmel ab und zu ein Zeppelin. Und mit großen wenig schnittigen Vier-Schornstein-Ozeanlinern geht es in gut 4 1/2 Tagen über den Atlantik nach Manhattan. Die Hochtechnologie der 1910er Jahre.

In den Wohnungen nur fliessendes kaltes Wasser und schwere dunkle Holzmöbel. Das verbreitete Lebensgefühl zwischen 1900 und 1918 mag so gewesen sein: Eindeutige Strukturen und Hierarchien allüberall, und der höchste auf Erden war der Deutsche Kaiser. Vieles sehr steif und streng, wenig Freiräume. Der Zeitgeist der Kaiserzeit scheint rückblickend Starrheit, Stolz und Ordnungssinn zu sein.

 

Keine zehn Jahre später das scheinbare Gegenteil: Die wilden 20er Jahre


In den Großstädten immer mehr Automobile, die oft noch so aussehen wie Droschkenkutschen. Am Himmel Zeppeline und ab und zu auch hochmoderne Motor-Flugzeuge: Eindecker und Doppeldecker. Neue Architektur: Neue Sachlichkeit und puristischer Bauhaus-Stil zum einen und Art Déco-Stil zum anderen. Jugendstil mit seinen floralen Verzierungen ist unmodern geworden. Männer sind arbeitslos und betreuen die Kinder daheim. Die Frauen arbeiten. Ein Emanzipations-Schub bei jungen Frauen: Bob-Frisuren, Charleston tanzen, trinken und rauchen.

 

Variétés, Revuen und Operetten bieten Zerstreuung in der Zeit zwischen hoher Inflation 1923 und Weltwirtschaftskrise ab 1929. Die festen Strukturen der Vorkriegszeit sind längst dabei zu zerbröckeln. Der Zeitgeist der 20er Jahre:

Der Tanz auf dem Vulkan als vorherrschendes Lebensgefühl der 1920er Jahre

Die Weltwirtschaftskrise in 1930 führt zu der Sehnsucht nach einer starken Hand. Die Stunde von Adolf Hitler hat geschlagen. Die Folgen: Körperliche Ertüchtigung, Marschieren im Takt der Partei-Formationen, allerorten Uniformen und ein "Brot & Spiele"-Programm sondergleichen. Zuckerbrot für die Partei-Funktionäre, "Kraft durch Freude" für die Volksgenossen und Peitsche bis KZ-Tod für System-Kritiker und ethnisch Unerwünschte.

Exzessive Staatsverschuldung und erfolgreiche Blumenkriege geben vielen Deutschen bis Ende 1938 das Gefühl von Aufschwung und "Wir sind wieder wer!". Das NS-System scheint den Erfolg abonniert zu haben: "Grösser, schneller, weiter!". Hitler als Technik-Liebhaber lebt das Zeitalter der Motorisierung vor:

 

"Tempo, Tempo, Tempo...!" als Dynamik der 30er Jahre

 

Nicht nur der KDF-Wagen bzw. Volkswagen hat sich daran zu orientieren: Stromlinienform ist "in" in den 30er Jahren. Das gilt auch für die Damenmode. Schlichte Linien kennzeichnen Mäntel und Kleider. Sportbekleidung ist sehr funktional: Schwimmzeug, Turnkleidung und Ski-Kleidung: Anoraks und Keilhosen kommen 1936 im Gefolge der Olympischen Winterspiele zu Garmisch-Partenkirchen auf. Der Zeitgeist der 1930er Jahre ist Aufschwung und Tempo.

Die 1940er Jahre als 3-Akter: 
Krieg, Zusammenbruch und Beginn des Wirtschaftswunders

Die 40er Jahre starten wie die 30er Jahre aufhören: Das Deutsche Reich wird immer größer. Und erlebt bis zum September 1942 eine kolossale Ausdehnung vom Atlantik bis tief in die Sowjetunion hinein. Die große Mehrheit der Reichsdeutschen ist stolz auf die Erfolge ihrer Wehrmacht im sogenannten Frankreich-Feldzug. Tagelang läuten nach dem Sieg über Frankreich im ganzen Deutschen Reich die Glocken.

 

Viele Funktionsträger träumen in den ersten vier Jahren des Weltkriegs

noch von einem Rittergut im Osten

 

Die Logistik, die Rüstungs-Reserven und die Wirklichkeit an den Fronten hält jedoch mit Hitlers Eroberungsdrang im Osten nicht mit. Ab dem Herbst bröckelt das Territorium des "Großdeutschen Reichs" ab. Anfangs langsam, dann ab dem Sommer 1944 immer schneller. Das Fundament hinter der Fassade der "Weltmacht" ist zu klein. Das großdeutsche Kartenhaus fällt in sich zusammen.


Mehr zur Jugend in den 40er-Jahren

Ab 1943 gibt es in jedem Dorf im Deutschen Reich Gefallene zu beklagen. Schwarz wird spätestens im Kriegswinter 1943/44 die bestimmende Damenmode... Die Kriegswirtschaft läßt Weiterentwicklungen von Design und Mode spätestens ab dem Totalen Krieg im Februar '43 immer weniger zu. Außerhalb der Kreise der Funktionärs-Elite haben die Menschen andere Sorgen. Für Viele geht es bei Bombardierungen und auf der Flucht ab Ende 1944 ums nackte Überleben.

 

Trümmerfrauen-Look und Schwarzmarkt-Chic bis zum 20. Juni 1948

 

Am längsten Tag des Jahres '48 gibt es in den Westzonen die neue DM-Währung. Damit ist das Saatkorn für den kommenden Wirtschaftsaufschwung gepflanzt. Der Zeitgeist der 40er Jahre ist Triumpf, Größenwahn, Zerfall, Durchkommen und Hoffnung auf bessere Zeiten.


Die 1950er Jahre können viele Hoffnungen erfüllen:

 

Das Wirtschaftswunder der 50er Jahre

löst die Wohlstands-Versprechen des sogenannten "Tausendjährigen Reichs" ein. Der KDF-Wagen wird schon 1946 als VW Käfer Typ 11 aus den Fabrikhallen von Wolfsburg rollen. Wolfsburg hieß bis 1945 noch "Stadt des KDF-Wagens bei Fallersleben". Alter Wein in neuen Schläuchen... Das gilt übrigens vor allem in Westdeutschland auch für die Laufbahnen vieler ehemaliger Funktionäre der NSDAP und ihrer Gliederungen.

 

Die braune oder schwarze oder feldgrüne Uniform ist nun nicht mehr zeitgemäß,
Ehrenzeichen und Schnurrbart auch nicht mehr

Mehr zur Jugend in den 50er Jahren


Flugs zieht man sich einen zweireihigen Anzug an, Oberlippen-Schnurrbart ab und paßt sich dem neuen Trend an. Und natürlich wird verdrängt, was man erlebt, erduldet, mitgetragen oder gar zu verantworten hatte im vergangenen Krieg, NS-Staat und bei der Verfolgung von Juden, Behinderten und Andersdenkenden. Hauptsache, man ist durchgekommen und kommt nun gut voran:

 

"Lassen Sie uns doch endlich in die Zukunft blicken...!"

 

windet sich so mancher Funktionär im neuen Jahrzehnt. Schon zu Beginn der 50er Jahre wird der Lebensstandard aus dem Frühsommer 1939 wieder erreicht. Der Wohlstand kommt bei den breiten Massen der Bevölkerung ab 1956 auch in den entlegeneren Orten der Bundesrepublik Deutschland an. Es gilt die alte Regel:

 

Zuerst den Magen füllen, dann neue Kleider, dann Besitztümer sammeln

 

Es folgen die Freßwelle, die Edelfreßwelle und die Motorisierung zur weiteren Bequemlichkeit der Bundesbürger mit erstem Wohlstandsbauch: Motorroller, Motorrad und VW-Käfer all überall. Die Formensprache von Autos, Rollern, Wohnräumen und Architektur ist nun organisch rund und verspielt. Die streng-geometrischen eckigen Formen und Gestaltungs-Stile der 30er Jahre sind überholt. Das Pendel schlägt nun in die andere Richtung aus.

 

Kalter Krieg und US-amerikanischer Lebensstil

 

geben zumindest in Westdeutschland den Takt vor. Jungens tragen Bürstenhaarschnitt im Stil der GI s. Schauen von denen die Lässigkeit ab.

 

Und wer lässig ist, kaut auch Kaugummi, trinkt Cola statt Milch

 

und hört "Hottentotten"-Musik, sprich Rock 'n' Roll. James Dean, Elvis Presley und Marlon Brando als US-Idole bei den Backfischen der Republik. Mädchen tragen Pferdeschwanz à la Brigitte Bardot oder Dauerwelle wie Marilyn Monroe. Und modische Frauen den "New Look" ab 1953. Der Zeitgeist weht von den Vereinigten Staaten her.

Die 60er Jahre fangen an, wie die 50er aufhören

Doch spätestens 1962 weht ein anderer Wind: Der kalte Krieg zwischen Ost- und West droht zum 3. Weltkrieg zu werden. Auslöser die Stationierung kommunistischer Raketen auf Kuba. Präsident John F. Kennedy kann die Krise beilegen. Raketen geben anschliessend den Takt des Jahrzehnts vor: Bis 1969 wollen die USA auf dem Mond landen. Der grossen Vision hat sich alles Andere unterzuordnen. Auch Design und Mode: So um 1964/1965 lanciert der französische Mode-Designer André Courrèges

 

die Op-Art-Mode und den Weltraum-Look

 

Mehr zur Jugend in den 60er Jahren


Die Automobile der 50er Jahre haben schon den Weltraum-Look mit ihren Heckflossen vorweggenommen und werden ab 1960 immer flacher und schlichter in der Formensprache ihres Karosserie-Designs. Wie auch die Innenausstattungen der Wohnungen.

 

Ab Mitte der 1960er Jahre dann eine Explosion der Stile und Mode-Trends:

 

Mary Quants Mini-Rock macht weltweit Furore. Auch im vordergründig prüden Amerika. Im Beat-Takt der hyperschlanken "Bohnenstangen"-Mannequins à la Twiggy. Swinging-London ist das Mekka der Jugend der Welt. Dank Beatles und der Mini-Mode der Carnaby-Street und Chelsea Road. Astrid Kirchherr und Jürgen Vollmer verpassen den Beatles ihre Pilzkopf-Frisur. Die Beatles driften musikalisch ab Richtung Indien, ihre Haare werden noch länger. Und die Hippie-Mode kommt auf. Spätestens der Gammler-Look zeigt Ende der 60er , welche Wandlungen der Zeitgeist in diesem Jahrzehnt gemacht hat.

 

In den 60ern ist es modern, modern zu sein

 

und das geht auch nach der vollzogenen Mondlandung im Juli 1969 erst einmal so weiter.

 

Die 70er Jahre beginnen mit großem Fortschritts-Optimismus

 

und in Deutschland wird der Bau des Münchner Olympia-Geländes mit Olympia-Stadion vorangetrieben. Überpünktlich ist alles fertig. Doch alles atmet Leichtigkeit: Design, Farben, Architektur. Das bewußte Gegenteil zu der massiven Architektur der Olympischen Sommerspiele in Berlin 1936. Die junge Bundesrepublik Deutschland will sich weltoffen und modern zeigen. Wie auch ihre erneuerte Bundesregierung unter Willy Brandt. Sie vergißt über so viel Toleranz nur Eines: Die Sicherheit. Es kommt zum Blutbad der israelischen Sportler im Olympischen Dorf. Und so geht es in den 70er Jahren weiter mit Terrorismus und Erdöl-Krisen und Wirtschaftskrisen.

Dafür ist die Mode umso bunter

 

Mehr zur Jugend in den 70er Jahren

 

Mini-Mode, Maxi-Mode, Midi-Mode, Hotpants, Schlaghosen, Unisex-Mode und Einheits-Look Nato-Parka und Blue Jeans. Ab 1973 tragen Frauen erstmalig mehr Hosen als Röcke und Kleider. Junge Männer und Frauen lassen sich von hinten zum Teil nicht mehr auf den ersten Blick unterscheiden, außer daß die wenigsten Mädchen und Damen lange Koteletten tragen.

 

Dafür lange glatte Haare wie Agnetha von ABBA

 

In den Wohnungen sind Anfang der 70er übrigens nach dem Schleiflack der 60er bunte großgemusterte Tapeten "in". Gegen Ende der 70er Jahre "Erdbraun-" und "Moos-"Töne. Ähnlichen Wandlungen sind auch die Automobil-Farben unterworfen: Anfangs weiß, grau, silber und gold, dann gelb, rot und grün, zum Ende des Jahrzehnts dann grünmetallic, braunmetallic oder blaumetallic. Der Zeitgeist der 1970er Jahre zeigt: Bunt heißt nicht automatisch fröhlich. Am 31.12.1979 fragen sich die Deutschen:

 

Was werden wohl die 80er bringen?

 

Ab 1982 die Neue Deutsche Welle, die politische "Wende" zur CDU-/FDP-Koalition und immer mehr Groß-Demonstrationen in Bonn. Gegen Pershing II Raketen und Ronald Reagan. Ab 1984 ist die Wende konjunkturell zu spüren: Die Kleidung wird bunter.

Mehr zur Jugend in den 80er Jahren

Und Alles, was in den links-liberalen 70er Jahren als unangemessen galt, ist nun plötzlich hochaktuell: Konsum und zeigen, daß man Geld hat: Das Marken-Bewußtsein bei den Jüngeren explodiert zusammen mit den Aktienkursen: BOSS, PUMA, NIKE, ESPRIT, LACOSTE. Wo Lust auf Luxus ist, da gibt es auch "Null Bock & No Future" und

 

Yuppies, Popper, Punker und Öko-Alternative

zeigen, daß eine Vielzahl von Lebensstilen nebeneinander möglich ist. Luxus-Autos werden umweltverträglicher und leistungsfähiger: 300 PS Stufe wird erreicht. Katalysatoren kommen auf breiter Front. Boris Becker wird zum Sport-Idol. Jogging, Aerobic und Body-Building halten fit und attraktiv. Overalls, Norweger-Pullover, Karotten- und Röhren-Jeans nur bedingt. Madonna und Steffi Graf als Mode-Vorbilder für viele jüngere Frauen. Schulterpolster, Zweireiher und glänzend-elegante Stoffe für jüngere Männer.

 

Leistung muß sich wieder lohnen!

ist die Parole in West-Deutschland. Kohl und Genscher stehen für Aufschwung und Optimismus. "Ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt..."Die Wohlstands-Kluft zur DDR wächst. Die Protest-Bewegung in Ost-Deutschland wird größer. Und auf einmal braucht man keinen Sonderzug mehr, um von West- nach Ost-Deutschland zu gelangen, sondern kurz vor Ende des Jahrzehnts öffnet sich die Mauer an der Zonengrenze: Alle freuen sich. Die mausgrauen Ost-Funktionäre ausgenommen. Die Aufbruch-Stimmung ist der beherrschende Zeitgeist der 1980er Jahre.

Mit Wiedervereinigungs-Euphorie in die 90er Jahre

 

Alle Deutschen ahnen an der