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Die Wochenschau-Sachen, die kennt man ja im Grunde alle

aus der Zeit des sogenannten tausendjährigen Reiches, das gerade einmal 12 Jahre währte. Mit dem pompösen Reichsadler im Filmvorspann. Von Anfang bis zum bitteren Ende wurde dem Volk so etwas vorgegaukelt. Die Aufnahmen der sog. Bombennächte von Hamburg stammen oft aus Berlin. Die damals strengstens (!) verbotenen Amateurfilm-Aufnahmen von Bombennächten sind hingegen echt.

Oder: Solange die deutschen Truppen auf dem Vormarsch waren, wurden sie in der Wochenschau als mutige Helden dargestellt. Ab 1943 spätestens wurde die Rücknahme der Fronten verschwiegen. Stattdessen wurde über Ersatznahrungsmittel für die Truppe berichtet. Ab Ende 1944/45 werden die Appelle immer schriller. Bis auf die Farbaufnahmen der Panorama-Wochenschauen fürs Ausland sind die Wochenschauen in Schwarz-Weiß.

Bei Amateurfilmen aus jener Zeit kann man hingegen Glück haben. Da gibt es so manche Filme, die schon in den 1930er und 40er Jahren sogar in Farbe waren: Auf Agfacolor oder Kodachrome gedreht. Auf 8 mm oder 16 mm Schmalfilm. Oder die vorherigen außerordentlich seltenen Kodacolor-Farbfilme. Diese Filme zeigen einem 80 Jahre später, wie farbig die Welt schon damals war. Ohne die Retuschen der modernen Digitaltechnik.

Ganz gleich, ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, entscheidend sind doch letztlich immer die Inhalte. Und in den Amateurfilmen entdecke ich die Details jener Epoche. So wie hier im Jahrgangs-Film:

Die Wintermäntel mit den doppelreihigen großen Knöpfen bei den Frauen und v.a. den Kindern. Dann die Kleider der Mädchen mit den Puffärmeln. Filmbilder von Schulen gemahnen mich an Folgendes: In den Schulen gab es einen Spucknapf für den Lehrer, und einen Katheder auf dem Podest und zwar in jeder Schulklasse. So ab 1942/43 lernte man nicht mehr nur einzelne Wörter, sondern Reime in der Schule:

 "Dick Madam' fuhr auf der Eisenbahn. Die Eisenbahn, die krachte, Dick Madam', die lachte!"

oder

"Mein letzter Wille, ein Mann mit Brille!"

Das galt damals insbesondere auch für Frauen. Oder in der Fibel standen Sprüche wie "Jum Papi, plum patsch" oder so ähnlich.

Ab 1942 sagte man auch Oberschule und nicht mehr Gymnasium. Oder der Volkssturm wurde im Volksmund "Volkswind" genannt. Hinter vorgehaltener Hand. Und als 1945 Lkws oder einfach das Benzin fehlte, schob die Straßenbahn Güterwägelchen an.

Es sind diese Details, die in den historischen Amateurfilmen von Trianomedien zu finden sind, die die Erinnerungen an schwere, aber auch schöne Kinder- und Jugend-Tage beleben. Jeder Jahrgangs-Film bedeutet für mich eine neue Reise zurück in die Welt von einst.

Ich weiß nicht, wo die Jahre hin sind!

Burghard Pörner, Ahrbrück