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Alle schwiegen, als die jüdischen Schulkameraden nicht mehr zum Unterricht kamen

 

Wir hatten in unserer Klasse in Gablonz zwei Mitschüler jüdischen Glaubens. Einer der beiden hieß Polak oder so ähnlich, meine ich mich zu erinnern. Es war im Jahr 1941 oder '42, daß die Beiden plötzlich nicht mehr zur Schule kamen. 

 

Nach ein paar Tagen, fiel das allen in der Klasse auf. Wir fragten uns: 

 

"Wann kommen die denn wieder? 

Sind die krank?

Oder sind die verzogen?"

 

Selbst wenn einer von uns in einem kleinen Grüppchen diese Fragen aussprach: 

 

Eisernes Schweigen.

 

Selbst wir als 7- oder 8-jährige drucksten herum. Wir alle. Schon in diesem zarten Kinderalter spürten wir: Da redet man am besten nicht drüber. Unsere Eltern hatten Angst. Angst vor der Gestapo, im Amtsdeutsch "Geheimen Staatspolizei". Denn die griff sich auch Kinder, quetschte sie aus und ließ sich von denen erzählen, was sie daheim gehört hatten. Und anschliessend wurden die Eltern abgeholt. Mein Großvater war wegen kritisch-humorvoller Äußerungen auch 

 

bereits einmal zur Gestapo zur Aussage vorgeladen worden. 

 

Das wußten wenigstens unsere Eltern und hatten vor uns geschwiegen oder uns eingeschärft, zu bestimmten Dingen den Mund zu halten. Wir Kindern haben dann auch nichts gesagt. 

 

Was habe ich als Kind damals von den jüdischen Mitbürgern in Gablonz mitbekommen? 

 

In meiner Erinnerung waren das keineswegs die typischen polnischen oder galizischen Juden. Die wiederum waren in der Mehrzahl ganz arme Menschen mit Bauchladen oder Pferdefuhrwerk. Doch in unserer Stadt waren die jüdischen Mitbürger etabliert: Ärzte, Rechtsanwälte oder das erste Hutgeschäft am Platze gehörte ihnen. Sie waren die erste Schicht des Bürgertums bzw. die Haute Volée der Stadt. 

 

Sie waren demnach in unserer Stadt hochgeachtet. Viele von ihnen hatten außerdem schon im k. u. k., sprich im Kaiserlich-königlichen österreichischen Heer gedient. Hatten sich durch Tapferkeit ausgezeichnet. 

 

Jedoch: Besitz macht neidisch. Das gilt auch für unser Städtchen Gablonz. So hat sich 

 

der Kreisleiter und NSDAP-Fürst Dressler 

 

ganz fluggs in die erste Villa am Platze einquartiert. Sie stammte aus der Zeit der Jahrhundertwende. Und sie gehörte einem wohlhabenden jüdischen Exporteur. Bis der "von Amts wegen" enteignet wurde. Dressler bekam den Hals nicht voll. Bis zum Frühjahr '45.

 

Burghard Pörner, Ahrbrück