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Wie ich als 10jähriger das "Großdeutsche Reich" gegen die Rote Armee verteidigen sollte

Als Hitlerjunge wurde ich im Frühjahr '45 dienstverpflichtet zur Verteidigung Großdeutschlands. Meine Aufgabe: Die Verteidigung der Bezirksstrasse von Bad Schlag nach Wiesenthal im Sudetenland.

Der Landrat Dr. Kriele war ein Scharfmacher, allerdings war er bei der Ankunft der Russen nach
Dresden verschwunden. Wie so manch' anderer Goldfasan auch...

 Wir als Hitlerjungen sägten noch an der Böschung stehende Bäume um. Die sollten quer über die Strasse liegen. Zur Verteidigung Großdeutschlands. Und so die sowjetischen Angriffspitzen stoppen und zurückwerfen. Beidseitig der Straße war eine ebenerdige breite Wiese. Wir hatten leider kein Schild "Betreten der Wiese durch Sowjet-Truppen verboten!"

Zu Zehn waren wir. Ein zusammengewürfelter Haufen von Volkssturm-Rentnern, Hitler-Jungen und kranken Männern. Einer hatte sogar nur einen Hut auf, Zivilkleidung an und eine Armbinde "DEUTSCHER VOLKSSTURM" um.

"Volkswind" statt "VOLKSSTURM" witzelten wir

Dann kam die Rote Armee. Herannahende Sowjetpanzer nahmen unsere Panzersperre unter Feuer.

 Ein junger schlanker blonder sowjetischer Soldat stand in
der offenen Panzerluke und ließ auf die Bäume schiessen, nicht auf uns

Worauf wir fluchtartig den Ort verliessen: Querfeldein liefen wir weg.

Ich hatte Angst.

Ich war 10 einhalb Jahre alt. Im Vorjahr hatte ich am 20. April in meiner HJ-Uniform auf den Führer und auf Großdeutschland einen Eid schwören müssen.

Meine Mutter fiel mir um den Hals, als ich heimkam und hat mir die HJ-Kleidung vom Leibe gerissen und mich in Bleyle-Kleidung eingekleidet, damit ich jünger aussah. Meine HJ-Uniform hat sie im Öfchen verbrannt. Das war mein Beitrag zur Verlängerung des Krieges.

Man hörte von weiteren Selbstmorden in der Stadt.

Nur die ganze Haute Volée, die war verschwunden

Der Kreisleiter von Gablonz hieß Wilhelm Dreßler. Bis 1938 war er Gewerkschafter und politischer Funktionär. Dann witterte er Morgenluft und wurde strammer brauner Kreisleiter. Als nun die Front 1945 immer näher rückte, da hat er mit seiner Familie für Führer, Volk und Vaterland Selbstmord begangen.

Er hat sich vergiftet und in eine Hakenkreuzfahne eingewickelt

Die tschechische Revolutions-Garde hat hernach

3 Lastwagen voll mit besten Nahrungsmitteln, Spirituosen und seinem Weinkeller
aus seiner Villa abtransportiert:

Er hat den Hals bis zum Schluß nicht voll bekommen!

Solche Selbstmorde waren damals an der Tagesordnung, als der Zusammenbruch bevorstand. Für die Funktionärskaste und viele Irregeleitete war das eine Katastrophe. Die Kriegsberichterstatter der amerikanischen Armee haben auf ihrem Vormarsch öfters die Leichen dieser Selbstmörder aufgenommen. Nicht selten haben die Amtsträger ihre Familie mit in den Tod gezogen.

Der Gauleiter vom Sudetenland, Reichsstatthalter und SS-Obergruppenführer Konrad Henlein, seines Zeichens Dr. jur. und vormaliger Turnlehrer in Reichenau bei Gablonz an der Neisse, wurde Anfang Mai '45 beim Übergang aus Böhmen nach Bayern von US-Soldaten interniert. Da er an die Tschechen ausgeliefert werden sollte, schnitt er sich die Pulsadern mit einer Rasierklinge auf und beging so Selbstmord, um sich der Gerichtsbarkeit zu entziehen.

3 Möbelwagen mit Judenzähnen, Schmuck und Brillanten hatte er dabei

ist mir seinerzeit zugetragen worden. Im zarten Alter von 10 einhalb Jahren habe ich so schon erlebt, daß Funktionären, Politikern und Goldfasanen bis zum bitteren Zusammenbruch letztlich das Hemd immer näher als der Rock ist:

Egal, ob die schutzbefohlenen Leute da draußen wie die Fliegen Hungers sterben,
Hauptsache der eigene Weinkeller ist randvoll.

Wenn ich die letzten 70 Jahre zurückblicke, dann kann ich sagen: Fürwahr ein ehernes Gesetz. Leider!

Burghard Pörner, Ahrbrück