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 Im November 1938 war ich ein vierjähriger Knirps. Trotzdem kann ich mich genau an diese Reichskristall- oder besser Reichsprogrom-Nacht in Gablonz erinnern: Ich war damals bei meiner Uroma. Das war die sogenannte 'Tick-Tack-Uroma'. Bei ihr tickte nämlich die Standuhr so laut. Als wir nach draußen guckten, kamen SA-Männer aus der Synagoge, und sie liefen mit Orgelpfeifen in die Stadt hinein. Die jüdische Synagoge war nur 100 m von dem Haus meiner Uroma entfernt. Auf einmal wütete ein Feuer in der Synagoge. Ein Feuer, das immer größer wurde. Das  haben wir durch unser Fenster gesehen.

Uroma lief innen aufgeregt herum: "Wie kann man den Juden ihre Synagoge denn anzünden?!"

Darüber war meine gläubige Uroma so entsetzt, daß man den Juden ihr Gotteshaus anfeuern kann, daß sie als gläubige Katholikin einen Schlaganfall bekommen hatte. Daran ist sie auch gestorben."

Burghard Pörner, Ahrbrück