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Die Erfolgskomponenten für die heiteren Spiele

Drei Erfolgs-Komponenten:


  1. Die liberale Aufbruchstimmung der späten 1960er und frühen 1970er Jahre,
  2. Die generalstabsmässige Vorbereitung mit u.a. Netzplantechnik,
  3. Die noch geringen Defizite im Staats-Haushalt: Bis dahin ist noch nicht exzessiv über die eigenen Verhältnisse gelebt worden,

 

Und natürlich der Wunsch aller Beteiligten, etwas Besonderes für die Bundesrepublik Deutschland und für die olympische Bewegung auf die Beine zu stellen.

 

Das Gesamtkunstwerk wird der XX. Olympischen Spiele zu München
wird im August 1972 enthüllt:

 

Das Olympia-Gelände:

Aus dem einstigen Flugfeld und Exerzierplatz am Oberwiesenfeld ist nun eine Landschaft geworden. Eine Hügel- und Muldenlandschaft, die organisch gewachsen erscheint. Der Münchner Olympia-Turm ist höher als der Glockenturm auf dem Reichssportfeld in Berlin. Aber steht nicht auf einer Achse zum Stadion.

 

Der Olympiapark:

Auch er ist alles Andere als streng symmetrisch angelegt. Die Wegführung um den künstlichen See herum ähnelt der von natürlichen Bächen. So als ob sich das Quellwasser seinen Weg entsprechend der Landschaftsform suchen würde. Organische Formen statt strenger Schachbrett-Muster.

 

Das Olympia-Stadion:

Das Olympia-Stadion, die Sport- und die Schwimmhalle haben zweierlei gemein:

  • Zum einen eine kokonartige Dachstruktur. Rechtwinkeligkeit wird damit ausgeschlossen. Und selbst die darunterliegenden Symmetrien der Stadien und Arenen werden überdeckt.
  • Zum anderen, daß sie in künstliche Mulden eingebettet sind. Damit wird ihre Größe kaschiert.

Jegliche Wuchtigkeit und Monumentalität soll so vermieden werden. Anklänge an die Repräsentativ-Architektur des Stadions für die Olympischen Spiele von Berlin 1936 finden nicht statt.

 

Das Olympische Dorf:

  • Die Kleinstadt der Athleten zuzüglich ihrer Betreuer (insg. rund 15.000 Personen) gliedert sich auf in das sog. Olympische Dorf der Männer und das Olympische Dorf der Frauen.
  • Auf 1.095 Athletinnen kommen 6.075 Athleten. Die Frauen wohnen in zweigeschossigen Flachbauten und einem 19stöckigen Hochhaus.
  • Die Männer in bis zu 13stöckigen Terrassen-, Atrium- und Hochhäusern. Die wabenartige Wohngebäude im Männerdorf steigen stufenweise gen Norden an.
  • Dadurch setzt sich die Landschafts-Architektur des Olympiaparks über die Autobahn hinweg fort. Die Fußgänger-Ebene liegt über der Park- und Straßenebene.
  • Die Fußgänger-Ebene ist oft begrünt. Sie ist als Fußgänger-Damm ausgeführt.
  • Der Fußgänger-Bereich unter einer grünen Hochleitung soll für Kontakt zwischen den Nationen und Sportlern sowie Betreuern sorgen. Diskotheken, Shows und Jazzklubs sowie ein internationales Filmfestival sollen das Übrige tun.
  • Doch für Familien, Senioren und Kinder ist kein Platz im Olympischen Dorf. Ähnlich einer Retortenstadt für Studenten à la Bochum Querenburg aus den späten 1960er Jahren.
  • Die Trennung zwischen Männer- und Frauendorf für die mehrheitlichen Twen-Sportler der Geburts-Jahrgänge 1937 bis 1952 ist eher akademischer Natur.
  • Wie auch der Proporz der Athleten und Athletinnen dazu führen mag, sich gegenüber der einheimischen Studentenschaft und Bevölkerung zu öffnen. Denn die Reiseführer zu den XX. Olympischen Sommerspielen 1972 werden nicht müde, auf den Frauen-Überhang in München hinzuweisen: 40.000 Frauen mehr als Männer: „Das Junggesellen-Paradies.“
  • Nicht so gerne wird dabei über den kriegsbedingt hohen Anteil der Münchner Witwen gesprochen. Denn am Tag der Eröffnungszeremonie der Sommerspiele ist der Zweite Weltkrieg gerade einmal 27 ¼ Jahre her. Viele der alleinstehenden Münchnerinnen vom Jahrgang 1900 bis 1927 haben ihren Mann im Krieg verloren.

 

 

Olympische Accessoires und Design-Elemente

 

1. Der Fahnenschmuck: hellblaue-resadagrüne Fahnen mit seitlich versetztem Glücksspiralen-Emblem und versetzten Olympia-Ringen

 

2. Das Olympische Feuer: Das Feuer ist wichtig. Der Brenner ist anstelle einer massiv-wuchtigen Fackelschale eine grazile Aluminium-Konstruktion

 

3.Die Richtungs-Schilder: Otl Aichinger hat eigens neue Piktogramme entwickelt. Klare-filigrane Bild-Elemente anstelle massiver Symbole. Einzig die Piktogramme der Staatsbetriebe „Deutsche Bundesbahn“ und „Deutsche Bundespost“ wirken optisch schwer.

 

4. Sitzschalen in den Stadien aus Kunststoff. In vier Grüntönen.

 

5. Orange und gelborange Couch-Elemente in den Gemeinschaftsräumen im Olympischen Dorf

 

6. Der Farb-Kanon der XX. Sommerspiele: Hellblau als die offizielle Haupt-Farbe (HKS 50). Flankierende Farben: Resadagrün, Gelborange, Silberweiss (HKS 67, HKS 4). Friedliche Regenbogenfarben statt harter Kontraste. Die Farbpalette wird ergänzt durch: Orange (HKS 6), Blauviolett (HKS 45), Mittelgrün (HKS 64). Die warmen Orange-Töne entstammen dem Spektrum an jugendlichen Modefarben der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Rot und Schwarz sind tabu. Denn sie könnten Erinnerungen an die offiziellen Farben des Dritten Reichs wecken. Einzig die Trikots der bundesdeutschen Leichtathleten geben diese Farben wieder. Außerdem Gold.

 

7. Die Haupt-Schrifttype ist Univers. Sie vermittelt Leichtigkeit.

 

8. Die Uniform-Farben und -Schnitte des offiziellen Personals: Rund 60.000 Menschen wirken an der Durchführung der Spiele mit.

Dazu gehören neben den Journalisten, Technische Delegierte der Jury, die Jury der Leichtathletik, Kampfrichter, Wettkampfhelfer, Ärzte, Dolmetscher, Personal des Organisationskomitees, Host Delegationsbetreuer Einsatzleiter, Hostessen, Kontrolleure, Programmverkäufer, Platzanweiserinnen, Parkplatzpersonal, Ordnungsdienst, Objektbewachung, Techniker des Organisationskomitees, Techniker des Deutschen Olympia Zentrums Radio Television, Wohnbereichsbetreuer Olympisches Dorf und Pressestadt, Stewardess Olympisches Dorf, Reinigungs- und Service-Personal, Santitätspersonal, VIP Fahrer, Bote Allgemein, Bote Olympisches Dorf, Bote Technik – Ergebnisdienst, Bote Presse.

Alle tragen abgestuft in Farbe und Schnitt Uniform. Entsprechend ihrer Funktion. Die Leichtigkeit stößt hier nun doch an gewisse Grenzen. Der Jury bleibt dann doch ein markanter Rot-Ton vorbehalten. Außerdem erhalten alle Funktionsträger ebenso fein abgestufte Ausweise und Sprachabzeichen.

 

9. Das offizielle Maskottchen der XX. Olympischen Sommerspiele zu München:
Der Olympia Waldi. In Holz, Stoff, Plüsch oder Frottee. Regenbogenfarben. Selbstironisch und wohlmeinend in Kaufhäusern, Spielwarenfachgeschäften und an Olympia-Souvenir-Ständen erhältlich.

Die Geburts-Jahrgänge 1957, 1958, 1959, 1960, 1961, 1962, 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968, 1969, 1970, 1971 und 1972 greifen zu. Oder halt ihre Eltern, Großeltern und Paten-Tanten und Onkel.

 

10. Die Olympia-Musik: Kurt Edelhagen spielt sowohl während der Eröffnungsfeier als auch während der Schlußzeremonie keine der bislangen üblichen Marschmusiken.
Sondern arrangiert folkloristische Musik passend zur jeweiligen Nation: Heiter, bunt und leicht.

 

11. Das olympische Gelöbnis: Die 22jährige deutsche Medizinstudentin Heidi Schüller, und nicht etwa ein markiger Zehnkämpfer spricht das Gelöbnis, legt das olympische Versprechen ab.

 

12. Die Tanz-Darbietung von 3.200 Münchner Kindern der Geburts-Jahrgänge 1958 bis 1962: Sie sind hellblau bzw. goldgelb gekleidet und tragen jeder einen Blumenstrauß in den Spielefarben.
Bis zu ihrem Auftritt kauern sie in einer Ecke der Stadionfläche auf dem Boden und sehen oben von den Zuschauer-Rängen aus wie ein grosses Blumenbeet.
Plötzlich wird das Blumenbeet lebendig, setzt sich in Bewegung und zeigt eine lieblich-anmutige Tanz-Darbietung. Einen Reigen, der die angetretenen Athleten umkreist.
Dazu singt der Tölzer Knabenchor einen Kanon. Vertont von Carl Orff.

 

13. München: Die Einheimischen, und deutschlandweit die Deutschen: Sie sind bis zur Eröffnungszeremonie von offizieller Seite immer wieder gehalten worden, gastfreundlich und tolerant auf die Athleten und Besucher aus aller Herren Länder zuzugehen:
Herzlichkeit soll Disziplin ersetzen. Die Stadt ist geschmückt und auf das Vortrefflichste herausgeputzt.

 

14. Das Wetter: Es ist am Tag der Eröffnungs-Zeremonie nach einer Schlechtwetterperiode ausnehmend schön. Und es bleibt gut bis zum letzten Tag der Spiele

 

15. Die Fahrzeuge für die Journalisten und Funktionäre: 226 Fahrzeuge stehen bereit: Opel, Ford, VW, BMW, Fiat und Mercedes-Benz stellen sie kostenlos für die Veranstaltung zur Verfügung. Es handelt sich um 60 Großbusse, 80 Kleinbusse, 86 Pkws. Am liebsten in schlichten Farben.
Wie z.B. die auslaufende S-Klasse der Baureihe W 108 Typ 280 SE 3,5 von Mercedes-Benz in weiss-blau. Wenigstens für die Journalisten wird Schwarz als Autofarbe vermieden.

 

Mercedes-Benz hat gleichzeitig ab August 1972 seine grundlegend neue S-Klasse der Baureihe W 116 im und neue 280er Spitzenmodelle seiner Mittelklasse W 115, sprich Stricht Acht („/8“) im Angebot. Da sind die Olympischen Spiele in München ein ausgezeichnete Plattform.

 

Auch die anderen Autohersteller präsentieren just Mittte 1972 neue Modelle: BMW mit seinem nagelneuen Vierzylinder-Verwaltungshochhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Olympiapark seine erste 5er Baureihe. Vorerst mit einem 520 und 520i. FORD mit seinem Consul und seinem Granada. OPEL mit seinem Rekord D und Commodore D. FIAT mit seinem 126er.

Porsche mit dem schnellsten deutschen Serienwagen: Einem 911 CARRERA mit 240 km/h. VW hingegen bietet mit seinem E412 nur ein neues Styling. Der längst überfällige Golf I wird erst zwei Jahre später erscheinen. Wie gut hätte er als Künder einer neuen Autodesign-Epoche in die Olympia-Metropole gepaßt...

 

16. Die Spielstraße im Olympiapark. Sie steht auch für eine neue Kultur der „Kommunikation“.
Typisch für die 70er Jahre ist es eine Mitmach-Kultur.
Der Zuschauer soll vom Künstler in seine Aufführung miteinbezogen werden. Das geschieht an fünf Stellen:

 

  1. Dem Theatron, einer Rundbühne für 900 Zuschauer.
  2. Einer Halbinsel auf dem Olympia-See mit Schaubuden von 20 Künstlern und ihren Darbietungen.
  3. Show-Terrassen am Olympia-Berg mit stufenförmig ansteigenden Podesten. Dort treten täglich bis zu sechs Stunden lang 30 Gruppen von Musikern der Richtungen Pop, Experimentelle Musik, Folk und Beat auf und laden zum Mit-Tanzen ein.
  4. Ein Multivisions-Zentrum mit fünf Leinwänden mit insg. 200 qm Fläche auf dem Olympia-See. Für Großprojektionen von Filmen, Dias, und Fernsehen. Und zudem auf
  5. einer 80 m langen Medienstraße, auf der man Sinnes-Eindrücke erspüren kann: Haptik, Optik, Akustik, und Olfaktorik. Zu deutsch: Anfassen, schauen, hören und riechen.

 

17. Die Eröffnungszeremonie am 26. August 1972 folgt Ritualen, die sich nur ansatzweise auflockern lassen. Was möglich ist, wird vom deutschen NOK verändert.

Und es kommt gut an: Glockenspiel am Coubertinplatz vor den Haupteingängen.

Fanfaren von Trachten-Buben.

Und vom Olympiaturm hängen gewaltige Stoffwimpel in den Regenbogen-Farben dieser olympischen Spiele.

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